| Robuste Basis (Stahlrahmen /
Starrachsen) Die verwindungssteife
Basis des G besteht aus einem Stahlrahmen, der aus zwei robusten,
kastenförmigen Längsträgern, die durch sechs röhrförmige Quer-Traversen zu
einem
biege- und verwindungssteifen Fundament verschweißt werden. Die Kombination
aus Starrachsen mit Schraubenfedern (NICHT Blattfedern, wie man leider immer
wieder falsch zu
lesen bekommt) haben den Vorteil, dass in schwerem Gelände das Niveau des
Fahrzeugs maximal hoch zu halten. Schöne Erläuterungen hierzu bilden vor
allem die alten Original-Prospekte des W460 aus Ende der Siebziger / Anfang
der Achtziger, in denen viel mehr als in den heutigen Prospekten zur
Baureihe 463 auf die technischen Aspekte eingegangen wird. Ausführliche und
interessante Infos zur Produktion des Mercedes G gibt es auf der
Video-Seite.

alle (C) Mercedes-Benz 2000
Allrad-Antrieb
Klar - der G hat natürlich wie jeder ernstzunehmende Geländewagen
Allrad-Antrieb.
Bei den Baureihen 460 und den frühen 461 ist dieser manuell zuschaltbar (normal:
Hinterrad-Antrieb), bei der Baureihe 463 sowie den neueren 461 dagegen permanent vorhanden.

Bild (C) Mercedes-Benz 1979

Bild (C) Mercedes-Benz 1995
Hinterer Schalthebel in den Baureihen
460/461, Stellungen:
S = Hinterradantrieb, SA = Strasse, Allrad
N = Neutral (kein Vortrieb), GA = Gelände, Allrad
Auch sichtbar: die zwei Hebel für die im
W460 optional erhältlichen (manuell schaltbaren) Differential-Sperren
hinten und vorne. Beim frühen 461 ist die hintere
Sperre serienmäßig, die
vordere war optional erhältlich. |
Bild (C) Mercedes-Benz 1979:
Getriebezustand S

Bild (C) Mercedes-Benz 1979:
Getriebezustand SA oder GA
|
Der Allradantrieb sowie die Untersetzung bei den
Baureihen 460 und frühen 461 können auch während der (langsamen, versteht sich) Fahrt
eingelegt oder gelöst werden. Der Allradantrieb sorgt für etwas mehr als die
doppelte Kraft auf den Rädern bei gleichzeitiger Halbierung der Geschwindigkeit.
Verteiler-Getriebe
Der G hat, um die Antriebskraft von Motor und
Getriebe an die einzelnen Antriebsachsen hinten und vorne zu verteilen, ein
Verteilergetriebe, welches diese Aufgabe erledigt.
Gleichzeitig übernimmt das ungefähr mittig platzierte Verteilergetriebe die
Aufgabe eines Untersetzungsgetriebes, um die etwas mehr als 1:2 Untersetzung im
"Low Range"
zu erreichen und ist in der Baureihe 463 zusätzlich sperrbar. Mehr allgemeine
Information zu Verteiler-Getrieben bei
Wikipedia.
Über-/Untersetzung Baureihe 460: 1 : 2,14
Unten eine Illustration (Schnitt) des
Verteilergetriebes des W463, daneben die entsprechenden Schalthebel im Innenraum
(G-Modell 1990-2000, Sondermodell G500 Classic 1999, und rechts ab Modellpflege
2000 durch den Drucktaster)

Bilder (C) Mercedes-Benz 1990, 1994, 1999,
2000
Ausgleichsgetriebe ("Differential")
Klar - wird der Kenner sagen - hat der G auch ein
Differential vorne und hinten, wie jedes andere Auto auch. Was also ist so
besonders daran? Ich möchte dies kurz beleuchten, damit der nächste Punkt
(Differentialsperren) deutlicher wird. Warum haben mehrspurige Fahrzeuge ein
Differential? Kurze Antwort: Weil beim Kurvenfahren das Differential die
unterschiedlich großen Strecken, die die Räder rechts und links der Achse
zurücklegen, ausgleichen kann. Ohne ein Ausgleichsgetriebe würden mit immer
enger werdenden Kurvenradien extreme Verspannungen und Verschleiß auftreten -
letztendlich bis zu Unfahrbarkeit einer Kurve. Weiterführende Erläuterungen zu
diesem Thema biete wie immer
Wikipedia sowie diese
animierte Grafik (Shockwave) von
hotstuffworks, in der die Funktionsweise sehr anschaulich dargestellt wird.
Differentialsperren
Wer direkt zu diesem Abschnitt gesprungen ist,
sollte zunächst den direkt hierüber (Ausgleichsgetriebe) lesen, damit er besser
versteht, warum Differentiale ab und an besser
"abgeschaltet" werden.
Ich übernehme den
Wikipedia-Text zu Differentialsperren 1:1, da ich ihn besser nicht
formulieren könnte:
"Ein Sperrdifferential ist ein spezielles Differentialgetriebe in einem mehrspurigen Kraftfahrzeug und dient dazu, Schlupf (im Extremfall Durchdrehen) am Rad mit der
geringeren Bodenhaftung zu vermindern, indem es entweder den Antriebsstrang versteift (Drehzahlausgleich vermindert) oder mehr Drehmoment auf das Rad mit der
besseren Bodenhaftung verteilt."
Differentiale sind aber in ungemütlichen
Situationen (Gelände, rutschige Strasse, Winterverhältnisse, etc.) eher
hinderlich als dienlich. Deshalb gibt es im G die Möglichkeit,
bei Bedarf bis zu 3 Sperren einzusetzen. Beim Einsatz aller drei Sperren (dies
ist der Extremfall), drehen alle vier Räder ungeachtet der äußeren Bedingungen
mit derselben
Drehzahl. Und was bringt uns das? Ganz einfach: Es genügt ein Rad mit
Bodenkontakt, um den G fortzubewegen (entsprechende Traktion an diesem einen Rad
vorausgesetzt).
Wenn also drei Räder bereits in der Luft hängen, und das vierte mit Bodenkontakt
auf einer Eis-Scholle steht, werden uns auch alle Sperren dieser Welt nicht aus
dieser Situation befreien. In den meisten anderen Situation (schweres Gelände,
etc.) sind drei Sperren kombiniert mit dem Untersetzungsgetriebe des G mehr als
ausreichend. Die nächste Stufe wären dann der Unimog oder kettengetriebene
Fahrzeuge.
Die Baureihe 460 hatte serienmäßig keine
Differentialsperren, es waren aber eine hintere sowie eine vordere Sperre
jeweils optional erhältlich.
Die Baureihe 461 (früh) hatte serienmäßig die hintere
Differentialsperre, die vordere war optional
erhältlich.
Die Baureihe 461 (neu) kommt dem 463 gleich, und besitzt alle drei Sperren
serienmäßig.
Die Baureihe 463 hatte und hat serienmäßig 3 vollwertige Sperren - eine
für das mittlere Verteilergetriebe, eine für das Hinterachs-Differential sowie
eine für das
Vorderachs-Differential. Einzige Ausnahme bildet
der 1992/1993 in limitierter Stückzahl (500 Stück) auf den Markt gekommene
500 GE, bei dem die vordere
Sperre schlichtweg fehlt. Diese gab es wohl auch nicht für viel Geld und gute
Worte optional:

Bild (C) Mercedes-Benz 1992/1993 (500 GE)
Bei allen Baureihen können die Sperren während
der Fahrt eingelegt oder gelöst werden.

Bilder (C) Mercedes-Benz 1990, 1994, 2000,
Oliver Lehmann 2009
Bodenfreiheit
Hiermit ist schlicht der Abstand (meist der
Karosserie) zum Boden gemeint, beim G eher der Abstand des Rahmens bzw. der
Differentiale vorne und hinten zum Boden / der Fahrbahn / des Untergrunds.
Wikipedia definiert Bodenfreiheit
folgendermaßen.

Bild (C) Mercedes-Benz 1979
Daten zur offiziell angegebenen Bodenfreiheit des
G in Serienzustand mit Serienbereifung:
Baureihe 460:
Baureihe 461: mindestens 21,3 cm vorne, mindestens 20,6 cm hinten (abhängig von
der Reifengröße)
Baureihe 461 militärisch: mindestens 24,5 cm vorne und hinten
Baureihe 463 (1990-xxxx): 21 cm
Baureihe 463 (2000-): vorne 21,7 cm, hinten 20,5 cm
Rampenwinkel
Der Rampenwinkel ist der Winkel, bis zu dem das
Fahrzeug mit langsamer Geschwindigkeit über eine Rampe fahren kann, ohne dass es
mit dem Unterboden auf der Rampenkante aufsetzt. Quelle:
Technik-Lexikon

Bild (C) Mercedes-Benz 1979
Rampenwinkel Baureihe 461 kurz: 27°
Rampenwinkel Baureihe 461 lang: 23°
Rampenwinkel Baureihe 461 kurz, MIL: 28°
Rampenwinkel Baureihe 461 lang, MIL: 24°
Böschungswinkel / Überhangwinkel
Wikipedia:
"Bei
Geländefahrzeugen bezeichnet der Böschungswinkel die maximale Steigung,
die aus der Ebene angefahren werden kann, ohne dass überhängende
Karosserieteile den Grund berühren. Es wird zwischen dem vorderen und
hinteren Böschungswinkel unterschieden. Voraussetzung für einen großen
Böschungswinkel sind möglichst hoch liegende und kurze Karosserieüberhänge
bzw. Anbauten (z. B. Winde, Stoßstange, Anhängerkupplung)."

Bilder (C) Mercedes-Benz 1979
Böschungswinkel Baureihe 460: vorne und
hinten mehr als 40°
Böschungswinkel Baureihe 461: vorne 38°, hinten 31°
Böschungswinkel Baureihe 461, MIL: vorne 39°, hinten 34°
Böschungswinkel Baureihe 463, 1990: vorne 37°, hinten 32°
Böschungswinkel Baureihe 463, 1994-: vorne 36°, hinten 27°
Achsverschränkung
Baureihe 460/461:
26cm (nach DIN 70020)
=

(C) Mercedes-Benz 1979 + 2000
Kippwinkel
Wikipedia: "Die G-Klasse gilt als eines der
geländegängigsten alltagstauglichen Autos. Beim G liegt der Kippwinkel bei ca.
38 Grad. Sicher fahrbar sind bei gutem
Untergrund 35 Grad, statisch kippt das
Auto bei 40 Grad, wobei es hier auf Bereifung, den Schwerpunkt, Zuladung und
Dachlast ankommt."

Bild (C) Mercedes-Benz 1979
Offizielle Angaben Mercedes-Benz:
Baureihe 463 (1990-): 54% = 24,3° (fahrstabile
Schräglage)
Steigvermögen
Wikipedia:
"Die Steigfähigkeit wird entweder in Grad
oder in Prozent
gemessen, wobei eine 45°-Steigung 100 Prozent (100 Meter Höhenunterschied auf
100 Meter Entfernung) entspricht. Bei mehr als einer 45°-Steigung wird zumeist
der Steigungswinkel angegeben, da er hier anschaulicher ist. Eine Steigung von
90° entspricht einer unendlich hohen Steigung in %."
Maximales Steigvermögen alle Baureihen: bis zu 80%
= =
(C) Mercedes-Benz 1995
Wattiefe
Dieser Abstandswert sagt aus, wie tief ein
Gewässer höchstens sein darf, damit es von einem Fahrzeug durchquert werden kann.
Weitere Erläuterungen zum Thema
Wattiefe
hier und
hier. Ein Bild sagt bekanntermaßen meist mehr als tausend Worte, wobei hier
nicht annährend die Möglichkeiten des G ausgeschöpft wurden:

Bild (C) Mercedes-Benz 1979
Offizielle Wattiefe Baureihe 460: 60cm
Offizielle Wattiefe Baureihe 461: 60cm
Offizielle Wattiefe Baureihe 463: 60cm (1990-2000)
Offizielle Wattiefe Baureihe 463: 50cm (ab 2000)
Hierzu sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch
bereits geeignet präparierte (Schnorchel, eingepackte elektrische Komponenten,
lässige Fahrer, denen egal ist, wenn das Wasser durch die offenen Seitenscheiben
hereinschwappt) Fahrzeuge gesichtet wurden, wo der Wasserspiegel auch gerne mal
über der Motorhaubenkante lag. Möglich ist dies, aber sicherlich nicht
jedermanns Sache :-)

Bild (C) Mercedes-Benz 2000
Nutzlasten / Anhängelasten
W460 kurz: zGG 2.500 kg, Nutzlast: 690-920 kg,
Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.000 kg bis 2.500 kg,
ZGG: 5,0 to
W460 lang: zGG 2.800 kg, Nutzlast: 690-920 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg,
Anhängelast gebremst: 2.000 kg bis 2.500 kg, ZGG: 5,3 to
W463 kurz (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst:
750 kg, ZGG: 5,7 to
W463 lang 1990: zGG 2.950 kg, Anhängelast ungebremst:
750 kg,
Anhängelast gebremst: 2.950 kg, ZGG: 5,9 to
Laut Angaben Prospekt 1990 modifiziert: Anhängelast bis zu 4.000 kg = ZGG 6,95
to (!?!)
W463 lang 1998: zGG 3.050 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg,
Anhängelast gebremst: x.xxx kg, ZGG: 5,9 to
W463 lang (ab MOPF 2000): zGG 3.200 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg,
Anhängelast gebremst: 3.500 kg (inkl. Stützlast 140kg) -> ZGG:
6,56 to
W463 kurz (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg,
Anhängelast gebremst: 2.850 kg (inkl. Stützlast 115kg) -> ZGG:
5,70 to
W463 Cabrio (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg,
Anhängelast gebremst: 2.850 kg (inkl. Stützlast 115kg) -> ZGG:
5,70 to
Ladekapazität
Cabriolet: 238 l
Station kurz: 250 - 1.580 l (hintere Sitzbank oben - komplett nach
unten/vorne geklappt)
Station lang: 480 - 2.250 l (hintere Sitzbank oben - komplett
nach unten/vorne geklappt)
Längssitze hinten (kurzes und langes Modell)

(C) Mercedes-Benz, aus Prospekt 05/1986
Der G war jahrzehntelang lieferbar mit einem
Zweierpack Längssitzbänken hinten. Anfänglich auch der kurze,
der lange bis 2007 (somit bis zu 9 Sitze belegbar). Bis die EU das Ganze mit
Wirkung vom 20.10.2007 für
Neuzulassungen verboten hat. Herzlichen Dank - ein weiterer Schritt hin zu
einem Volk von überregulierten Volltrotteln:
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