G-Spezialitäten

letztes Update: 11.01.2010

Robuste Basis (Stahlrahmen / Starrachsen)

Die verwindungssteife Basis des G besteht aus einem Stahlrahmen, der aus zwei robusten, kastenförmigen Längsträgern, die durch sechs röhrförmige Quer-Traversen zu einem
biege- und verwindungssteifen Fundament verschweißt werden. Die Kombination aus Starrachsen mit Schraubenfedern (NICHT Blattfedern, wie man leider immer wieder falsch zu
lesen bekommt) haben den Vorteil, dass in schwerem Gelände das Niveau des Fahrzeugs maximal hoch zu halten. Schöne Erläuterungen hierzu bilden vor allem die alten Original-Prospekte des W460 aus Ende der Siebziger / Anfang der Achtziger, in denen viel mehr als in den heutigen Prospekten zur Baureihe 463 auf die technischen Aspekte eingegangen wird. Ausführliche und interessante Infos zur Produktion des Mercedes G gibt es auf der Video-Seite.


alle (C) Mercedes-Benz 2000


Allrad-Antrieb

Klar - der G hat natürlich wie jeder ernstzunehmende Geländewagen Allrad-Antrieb.
Bei den Baureihen 460 und den frühen 461 ist dieser manuell zuschaltbar (normal: Hinterrad-Antrieb), bei der Baureihe 463 sowie den neueren 461 dagegen permanent vorhanden.


Bild (C) Mercedes-Benz 1979


Bild (C) Mercedes-Benz 1995

Hinterer Schalthebel in den Baureihen 460/461, Stellungen:
S = Hinterradantrieb, SA = Strasse, Allrad
N = Neutral (kein Vortrieb), GA = Gelände, Allrad

Auch sichtbar: die zwei Hebel für die im W460 optional erhältlichen (manuell schaltbaren) Differential-Sperren hinten und vorne. Beim frühen 461 ist die hintere
Sperre serienmäßig, die vordere war optional erhältlich.


Bild (C) Mercedes-Benz 1979:
Getriebezustand S

 


Bild (C) Mercedes-Benz 1979:
Getriebezustand SA oder GA

 

Der Allradantrieb sowie die Untersetzung bei den Baureihen 460 und frühen 461 können auch während der (langsamen, versteht sich) Fahrt eingelegt oder gelöst werden. Der Allradantrieb sorgt für etwas mehr als die doppelte Kraft auf den Rädern bei gleichzeitiger Halbierung der Geschwindigkeit.


Verteiler-Getriebe

Der G hat, um die Antriebskraft von Motor und Getriebe an die einzelnen Antriebsachsen hinten und vorne zu verteilen, ein Verteilergetriebe, welches diese Aufgabe erledigt.
Gleichzeitig übernimmt das ungefähr mittig platzierte Verteilergetriebe die Aufgabe eines Untersetzungsgetriebes, um die etwas mehr als 1:2 Untersetzung im "Low Range"
zu erreichen und ist in der Baureihe 463 zusätzlich sperrbar. Mehr allgemeine Information zu Verteiler-Getrieben bei Wikipedia.

Über-/Untersetzung Baureihe 460: 1 : 2,14

Unten eine Illustration (Schnitt) des Verteilergetriebes des W463, daneben die entsprechenden Schalthebel im Innenraum (G-Modell 1990-2000, Sondermodell G500 Classic 1999, und rechts ab Modellpflege 2000 durch den Drucktaster)


Bilder (C) Mercedes-Benz 1990, 1994, 1999, 2000


Ausgleichsgetriebe ("Differential")

Klar - wird der Kenner sagen - hat der G auch ein Differential vorne und hinten, wie jedes andere Auto auch. Was also ist so besonders daran? Ich möchte dies kurz beleuchten, damit der nächste Punkt (Differentialsperren) deutlicher wird. Warum haben mehrspurige Fahrzeuge ein Differential? Kurze Antwort: Weil beim Kurvenfahren das Differential die unterschiedlich großen Strecken, die die Räder rechts und links der Achse zurücklegen, ausgleichen kann. Ohne ein Ausgleichsgetriebe würden mit immer enger werdenden Kurvenradien extreme Verspannungen und Verschleiß auftreten - letztendlich bis zu Unfahrbarkeit einer Kurve. Weiterführende Erläuterungen zu diesem Thema biete wie immer Wikipedia sowie diese animierte Grafik (Shockwave) von hotstuffworks, in der die Funktionsweise sehr anschaulich dargestellt wird.


Differentialsperren

Wer direkt zu diesem Abschnitt gesprungen ist, sollte zunächst den direkt hierüber (Ausgleichsgetriebe) lesen, damit er besser versteht, warum Differentiale ab und an besser
"abgeschaltet" werden.

Ich übernehme den Wikipedia-Text zu Differentialsperren 1:1, da ich ihn besser nicht formulieren könnte:
"Ein Sperrdifferential ist ein spezielles Differentialgetriebe in einem mehrspurigen Kraftfahrzeug und dient dazu, Schlupf (im Extremfall Durchdrehen) am Rad mit der
geringeren Bodenhaftung zu vermindern, indem es entweder den Antriebsstrang versteift (Drehzahlausgleich vermindert) oder mehr Drehmoment auf das Rad mit der
besseren Bodenhaftung verteilt."

Differentiale sind aber in ungemütlichen Situationen (Gelände, rutschige Strasse, Winterverhältnisse, etc.) eher hinderlich als dienlich. Deshalb gibt es im G die Möglichkeit,
bei Bedarf bis zu 3 Sperren einzusetzen. Beim Einsatz aller drei Sperren (dies ist der Extremfall), drehen alle vier Räder ungeachtet der äußeren Bedingungen mit derselben
Drehzahl. Und was bringt uns das? Ganz einfach: Es genügt ein Rad mit Bodenkontakt, um den G fortzubewegen (entsprechende Traktion an diesem einen Rad vorausgesetzt).
Wenn also drei Räder bereits in der Luft hängen, und das vierte mit Bodenkontakt auf einer Eis-Scholle steht, werden uns auch alle Sperren dieser Welt nicht aus dieser Situation befreien. In den meisten anderen Situation (schweres Gelände, etc.) sind drei Sperren kombiniert mit dem Untersetzungsgetriebe des G mehr als ausreichend. Die nächste Stufe wären dann der Unimog oder kettengetriebene Fahrzeuge.

Die Baureihe 460 hatte serienmäßig keine Differentialsperren, es waren aber eine hintere sowie eine vordere Sperre jeweils optional erhältlich.
Die Baureihe 461 (früh) hatte serienmäßig die hintere Differentialsperre, die vordere war optional erhältlich.
Die Baureihe 461 (neu) kommt dem 463 gleich, und besitzt alle drei Sperren serienmäßig.
Die Baureihe 463 hatte und hat serienmäßig 3 vollwertige Sperren - eine für das mittlere Verteilergetriebe, eine für das Hinterachs-Differential sowie eine für das
Vorderachs-Differential. Einzige Ausnahme bildet der 1992/1993 in limitierter Stückzahl (500 Stück) auf den Markt gekommene 500 GE, bei dem die vordere
Sperre schlichtweg fehlt. Diese gab es wohl auch nicht für viel Geld und gute Worte optional:


Bild (C) Mercedes-Benz 1992/1993 (500 GE)

Bei allen Baureihen können die Sperren während der Fahrt eingelegt oder gelöst werden.


Bilder (C) Mercedes-Benz 1990, 1994, 2000, Oliver Lehmann 2009


Bodenfreiheit

Hiermit ist schlicht der Abstand (meist der Karosserie) zum Boden gemeint, beim G eher der Abstand des Rahmens bzw. der Differentiale vorne und hinten zum Boden / der Fahrbahn / des Untergrunds. Wikipedia definiert Bodenfreiheit folgendermaßen.


Bild (C) Mercedes-Benz 1979

Daten zur offiziell angegebenen Bodenfreiheit des G in Serienzustand mit Serienbereifung:

Baureihe 460:
Baureihe 461: mindestens 21,3 cm vorne, mindestens 20,6 cm hinten (abhängig von der Reifengröße)
Baureihe 461 militärisch: mindestens 24,5 cm vorne und hinten
Baureihe 463 (1990-xxxx): 21 cm
Baureihe 463 (2000-): vorne 21,7 cm, hinten 20,5 cm
 


Rampenwinkel

Der Rampenwinkel ist der Winkel, bis zu dem das Fahrzeug mit langsamer Geschwindigkeit über eine Rampe fahren kann, ohne dass es mit dem Unterboden auf der Rampenkante aufsetzt. Quelle: Technik-Lexikon


Bild (C) Mercedes-Benz 1979

Rampenwinkel Baureihe 461 kurz: 27°
Rampenwinkel Baureihe 461 lang: 23°
Rampenwinkel Baureihe 461 kurz, MIL: 28°
Rampenwinkel Baureihe 461 lang, MIL: 24°


Böschungswinkel / Überhangwinkel

Wikipedia: "Bei Geländefahrzeugen bezeichnet der Böschungswinkel die maximale Steigung, die aus der Ebene angefahren werden kann, ohne dass überhängende Karosserieteile den Grund berühren. Es wird zwischen dem vorderen und hinteren Böschungswinkel unterschieden. Voraussetzung für einen großen Böschungswinkel sind möglichst hoch liegende und kurze Karosserieüberhänge bzw. Anbauten (z. B. Winde, Stoßstange, Anhängerkupplung)."


Bilder (C) Mercedes-Benz 1979

Böschungswinkel Baureihe 460: vorne und hinten mehr als 40°
Böschungswinkel Baureihe 461: vorne 38°, hinten 31°
Böschungswinkel Baureihe 461, MIL: vorne 39°, hinten 34°
Böschungswinkel Baureihe 463, 1990: vorne 37°, hinten 32°
Böschungswinkel Baureihe 463, 1994-: vorne 36°, hinten 27°

Achsverschränkung

Baureihe 460/461: 26cm (nach DIN 70020)


(C) Mercedes-Benz 1979 + 2000


Kippwinkel

Wikipedia: "Die G-Klasse gilt als eines der geländegängigsten alltagstauglichen Autos. Beim G liegt der Kippwinkel bei ca. 38 Grad. Sicher fahrbar sind bei gutem
Untergrund 35 Grad, statisch kippt das Auto bei 40 Grad, wobei es hier auf Bereifung, den Schwerpunkt, Zuladung und Dachlast ankommt."


Bild (C) Mercedes-Benz 1979

Offizielle Angaben Mercedes-Benz:

Baureihe 463 (1990-): 54% = 24,3° (fahrstabile Schräglage)


Steigvermögen

Wikipedia: "Die Steigfähigkeit wird entweder in Grad oder in Prozent gemessen, wobei eine 45°-Steigung 100 Prozent (100 Meter Höhenunterschied auf 100 Meter Entfernung) entspricht. Bei mehr als einer 45°-Steigung wird zumeist der Steigungswinkel angegeben, da er hier anschaulicher ist. Eine Steigung von 90° entspricht einer unendlich hohen Steigung in %."

Maximales Steigvermögen alle Baureihen: bis zu 80% = (C) Mercedes-Benz 1995

Wattiefe

Dieser Abstandswert sagt aus, wie tief ein Gewässer höchstens sein darf, damit es von einem Fahrzeug durchquert werden kann. Weitere Erläuterungen zum Thema
Wattiefe hier und hier. Ein Bild sagt bekanntermaßen meist mehr als tausend Worte, wobei hier nicht annährend die Möglichkeiten des G ausgeschöpft wurden:


Bild (C) Mercedes-Benz 1979

Offizielle Wattiefe Baureihe 460: 60cm
Offizielle Wattiefe Baureihe 461: 60cm
Offizielle Wattiefe Baureihe 463: 60cm (1990-2000)
Offizielle Wattiefe Baureihe 463: 50cm (ab 2000)

Hierzu sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch bereits geeignet präparierte (Schnorchel, eingepackte elektrische Komponenten, lässige Fahrer, denen egal ist, wenn das Wasser durch die offenen Seitenscheiben hereinschwappt) Fahrzeuge gesichtet wurden, wo der Wasserspiegel auch gerne mal über der Motorhaubenkante lag. Möglich ist dies, aber sicherlich nicht jedermanns Sache :-)


Bild (C) Mercedes-Benz 2000
 

Nutzlasten / Anhängelasten

W460 kurz: zGG 2.500 kg, Nutzlast: 690-920 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.000 kg bis 2.500 kg, ZGG: 5,0 to
W460 lang: zGG 2.800 kg, Nutzlast: 690-920 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.000 kg bis 2.500 kg, ZGG: 5,3 to

W463 kurz (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, ZGG: 5,7 to

W463 lang 1990: zGG 2.950 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.950 kg, ZGG: 5,9 to
Laut Angaben Prospekt 1990 modifiziert: Anhängelast bis zu 4.000 kg = ZGG 6,95 to (!?!)
W463 lang 1998: zGG 3.050 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: x.xxx kg, ZGG: 5,9 to
W463 lang (ab MOPF 2000): zGG 3.200 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 3.500 kg (inkl. Stützlast 140kg) -> ZGG: 6,56 to
W463 kurz (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.850 kg (inkl. Stützlast 115kg) -> ZGG: 5,70 to
W463 Cabrio (ab MOPF 2000): zGG 2.850 kg, Anhängelast ungebremst: 750 kg, Anhängelast gebremst: 2.850 kg (inkl. Stützlast 115kg) -> ZGG: 5,70 to


Ladekapazität

Cabriolet: 238 l
Station kurz: 250 - 1.580 l (hintere Sitzbank oben - komplett nach unten/vorne geklappt)
Station lang: 480 - 2.250 l  (hintere Sitzbank oben - komplett nach unten/vorne geklappt)

Längssitze hinten (kurzes und langes Modell)


(C) Mercedes-Benz, aus Prospekt 05/1986

Der G war jahrzehntelang lieferbar mit einem Zweierpack Längssitzbänken hinten. Anfänglich auch der kurze,
der lange bis 2007 (somit bis zu 9 Sitze belegbar). Bis die EU das Ganze mit Wirkung vom 20.10.2007 für
Neuzulassungen verboten hat. Herzlichen Dank - ein weiterer Schritt hin zu einem Volk von überregulierten Volltrotteln: