Diese Website widmet sich dem Mercedes-Benz G-Modell (seit einigen Jahren von Mercedes-Benz im Rahmen der neuen Nomenklatur auch "G-Klasse" genannt). Mercedes unterscheidet die Baureihen 460, 461, 462 sowie 463, Die Baureihe 462 spielt nur nur eine untergeordnete Rolle. Die groben Unterschiede werden hier kurz erläutert. Meine Quellen sind bei allen Angaben die Original-Prospekte von MB, einige gute oder auch weniger gute Bücher zum Thema "G" sowie meine eigenen Recherchen und Erfahrungen der letzten Jahre.

letztes Update: 17.05.2010

Baureihe 460 (1979-1991):


Einer der ganz frühen W460 "Station kurz"
Quelle: MB-Prospekt 01/1979, Bild (C) Daimler-Benz


Interieur eines frühen 460
Quelle: MB-Prospekt 06/1979, Bild (C) Daimler-Benz

Die Baureihe 460 war die erste Baureihe des G, mit deren Entwicklung Mitte der 1970er-Jahre begonnen wurde - in erster Linie mit dem Vorhaben, dieses Fahrzeug militärisch zu vermarkten. Darf man der Geschichte glauben, waren ein anstehender Großauftrag des Schah von Persien (damals Großaktionär von Daimler-Benz) sowie Interesse seitens der Bundeswehr Hauptgründe für die Entwicklung des G. Wurzel aller Mercedes G war also das Militär. Aus beiden Aufträgen wurde am Rande bemerkt nichts. Ebenfalls war Mercedes (wenn man von der noch längeren Tradition des Land Rovers absieht) einer der ersten Hersteller, der am Ende des 20. Jahrhunderts und dem folgenden SUV-Hype einen echten Geländewagen anbieten konnte. 1979 gab es nicht wirkliche Alternativen. Somit war das Vorhaben aus damaliger Sicht recht mutig. MB kooperierte damals vermutlich auch unter anderem zur Risikominimierung und fachlichen Gründen mit Steyr-Puch (heute MagnaSteyr) in Graz, um dieses Fahrzeug entwickeln zu lassen. Der "G" wird noch heute ausschließlich in Graz mit einem für heutige Verhältnisse beeindruckend hohen Anteil an Handarbeit gefertigt.

Im Vergleich zu heute käuflichen Exemplaren des G war die erste Baureihe 460 als reine Nutzfahrzeug-Reihe ausgelegt. Sie versprüht mit Ihrer spartanischen Ausstattung und insbesondere im direkten Vergleich mit den aktuellen Modellen den Charme eines LKW oder landwirtschaftlichen Geräts. Aber genau dies - sowie die damit verbundene Robustheit - macht den 460er bei den G-Fahrern heute umso beliebter (Motto: "Wo nichts ist, kann nichts kaputtgehen"). Wirklich gut erhaltene Exemplare sind leider immer seltener zu finden. Insbesondere Rost an der Karosserie ist aufgrund der damals recht mäßigen werksseitigen Rostvorsorge Sorgenkind Nummer 1.

Äußerlich unterscheidet sich der 460 vom späteren Modell 463 auf den ersten Blick durch die schwarz abgesetzte Front sowie seinem hinten rechts am Heck befindlichen Tankeinfüllstutzen, anderen Stoßstangen und Rückleuchten sowie deutlich kleineren, filigran wirkenden Außenspiegeln. Einige Besitzer haben ihren 460 auch im Laufe der Jahre mit relativ geringem Aufwand selbst "modellgepflegt", um einen immer jugendlichen Auftritt zu gewährleisten.

Der Innenraum des 460er unterscheidet sich in fast allen Punkten zu aktuellen Modellen. Im Laufe von nun mehr als 25 Jahren (im Juni 2009 feierte man den 30en Geburtstag des in der Geschichte von Mercedes-Benz am längsten gebauten Modells) wurde der G im Rahmen von unzähligen Modellpflege-Maßnahmen immer weiter evolutioniert. Rein äußerlich ist er für den oberflächlichen Betrachter immer noch "der Alte" geblieben. Auch aus diesem Grunde dürfte der G seinen heute unzweifelhaften Kultstatus erlangt haben.

Hauptunterschied technisch gesehen zur Baureihe 463 ist der nicht permanente Allrad-Antrieb mit serienmäßig "nur" zwei Sperren. Allrad-Funktionalität kann per Verteilergetriebe manuell hinzugeschaltet werden - ebenso sind beim 460 die Differential-Sperren noch manuell über ein Gestänge ohne Einsatz von Elektrik oder Hydraulik schaltbar (wenn man einmal von den Kontroll-Leuchten im Armaturenbrett absieht).

Alle G-Modelle sind bis heute mit Starrachsen sowie Schraubenfedern ausgestattet. Die Mär, dass der G - in welcher Baureihe auch immer - blattgefedert sein soll, kann man diversen Internet-Foren und sonstigen Gremien auf Stammtisch-Niveau wohl nicht mehr austreiben.

Der G wurde zu Beginn der Produktion angeboten als Station lang (mit hinteren Fenstern, 5-Türer), Station kurz (mit hinteren Fenstern, 3-Türer), als Cabriolet (immer 3-Türer, wenn man von einem langen W463-Baur-Umbau absieht) sowie zwei Varianten des Kastenwagens (lang und kurz, jeweils 3-Türer) mit verblechten hinteren Scheiben. Hierzu gesellten sich diverse Militär-Varianten im Laufe der Jahre (z.B. extra-langer Radstand, abklappbare Frontscheibe, Cabrio lang, etc.) - diese Versionen waren auf dem zivilen Markt nicht direkt käuflich, sind aber heute durchaus in privater Hand zu finden.

Die Motorisierungen zu Beginn der Produktion waren: 240GD (4-Zylinder-Diesel, 72 PS), 300GD (5-Zylinder-Diesel 88 PS), 230G (4-Zylinder-Vergaser, 90 bzw. 102 PS), 280GE (6-Zylinder-Einspritzer, 156 PS).

Baureihe 461 (1991-2001), zwischendurch als Militär-Version und in erster Linie im Ausland als "Worker", seit 2009 wieder im "Pur" und "Professional":


Quelle: MB-Prospekt 09/1993, Bild (C) Daimler-Benz


Quelle: MB-Prospekt 09/1993, Bild (C) Daimler-Benz

Die fast parallel zum 463 eingeführte Baureihe 461 entsprach bis auf neue Motoren weitgehend dem 460. Der 461 wurde sowohl militärisch in unzähligen Varianten verkauft als auch auf dem zivilen Markt angeboten. Der Erfolg auf dem zivilen Markt war jedoch nicht sehr groß - vermutlich aufgrund des recht hohen Preises. Seit Anfang des neuen Jahrtausend wurde für den zivilen Markt (in erster Linie im Ausland) der "Worker" als G270 CDI sowie später als G280 CDI angeboten.

Die früher 461er (1991-2001) haben das manuell zu schaltende Verteilergetriebe, welches eine Umschaltung zwischen "Strasse-Hinterrad", "Strasse-Allrad" sowie "Gelände-Allrad" (mit Geländeuntersetzung) erlaubt.

Mit Einführung der neueren Militärvarianten (circa 2002) und der "Worker", aber auch in Fortführung des "Pur" in 2009 und des "Professional" in 2010 wurde die Baureihe 461 zu einer Art Mischung aus 460 und 463. Sie bekam den permanenten Allradantrieb aus dem 463er, gepaart mit der Robustheit des 460. Grund war wohl die notwendige Einführung des ABS.

Die Baureihe 461 bis 2001 war entweder mit Scheibenbremsen rundum oder mit einer Kombination aus Scheibenbremsen vorn und Trommelbremse hinten ausgestattet (je nach Ausführung). Diese letztgenannte Ausführung wurde auch in "Pur" und "Professional" übernommen.

Die 2009 und 2010 angebotene Motorisierung als G280 CDI in "Pur" und "Professional" erfüllt (da mit Partikelfilter ausgestattet) die EUR4-Norm, die als G300 CDI angebotenen "Professional"-Modelle ab 2010 werden in EUR5 eingestuft.

 

Baureihe 462:


Quelle: MB-Prospekt 10/2000, Bild (C) Daimler-Chrysler


Quelle: MB-Prospekt 10/2000, Bild (C) Daimler-Chrysler

Die Baureihe 462 entspricht 1:1 der Baureihe 461, mit dem Unterschied, dass der W462 nicht in Graz endgefertigt wurde, sondern wohl aus politischen und/oder vertrieblichen Gründen erst am Bestimmungsort zusammengebaut wurde. Man hat also den G sozusagen in Kisten verpackt verschifft, um ihn dann an Ort und Stelle endzufertigen. Dieses Verfahren wird bei Mercedes CKD (completely knocked down) genannt.

Baureihe 463 (1990-heute):


463er Station lang aus 1994 / Bild (C) 1994 Mercedes-Benz


463er-Interieur aus 1992 / Bild (C) 1992 Mercedes-Benz


463er Station lang aus 2001 / Bild (C) 2001 Mercedes-Benz


463er-Interieur aus 2001 / Bild (C) 2001 Mercedes-Benz

Mit Vorstellung der Baureihe 463 wurde der G vom Nutzfahrzeug zum komfortableren Fahrzeug für jedermann geadelt. Er bekam permanenten Allrad-Antrieb, was eine Grundvoraussetzung war für die Einführung des ABS bei diesem Modell. Ebenfalls sind die drei serienmäßigen Sperren (Ausnahme: Sondermodell 500 GE aus 1993, nur zwei Sperren) nicht mehr mechanisch geschaltet, sondern hydraulisch / elektrisch über Kippschalter. Seit Einführung der Baureihe 463 wird der G im Vergleich zur Baureihe 460 auch eher als "Lifestyle-Fahrzeug" vermarktet. Dies zeigen einige Werbe-Videos von Daimler-Benz aus den 90ern, die nach Marlboro-Manier tendenziell all denen "die große Freiheit" versprechen, die sich zum Kauf eines solchen Fahrzeugs durchringen, recht eindrucksvoll. Auch hier muss man MB Respekt zollen bzgl. der Weitsichtigkeit: Heutzutage verkaufen sich Fahrzeuge - streng genommen - fast ausschließlich über Image und Werbung und weniger bis gar nicht mehr wegen technischer Details oder Robustheit.

Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Der G heute - und insbesondere die in die Jahre gekommenen Modelle - ist alles andere als ein Lifestyle-Fahrzeug, sondern er genießt seinen Kultstatus aufgrund der unkaputtbaren Basis und dem seit Jahrzehnten fast unveränderten Erscheinungsbild. Der G kann fast alles besser als die Japan-/Korea-/China-Armada der Möchtegern-SUVs. Nur 1990 wurde er eben so vermarktet, um neue Kundenkreise für den G zu interessieren - mit großen Erfolg, wie sich zeigt.

Äußerlich unterscheidet sich der 463 vom früheren Modell Modell 460 auf den ersten Blick durch die in Wagenfarbe lackierte Front sowie seinem hinten rechts über dem Kotflügel befindlichen Tankeinfüllstutzen, anderen Stoßstangen, Rückleuchten sowie neuen, größeren Außenspiegeln und den in die Frontschürze integrierten Nebelscheinwerfern (siehe Bilder links).

In unzähligen größeren und kleineren Modellpflegen (Motto: "Evolution statt Revolution") wandelte sich der G der Baureihe 463 immer mehr zum allradgetriebenen Luxusfahrzeug der Oberklasse. Hierzu zählen insbesondere seit der letzten großen Modellpflege 2001 (Einführung CAN-Vollvernetzung) Ausstattungen wie BAS, 4ETS, ESP, Vollklimatisierung, Comand/TV, Designo-Varianten (Leder/Holz), per Elektrik geschaltete Untersetzung des Verteilergetriebe, etc. Der Basispreis für einen G 500 bewegt sich mit EUR 85.000.- in gleichen Regionen wie der für einen S 500 (Stand 11/2006).

Auch dies macht deutlich, in welchem Fahrzeug-Segment Mercedes-Benz den G heute sieht und verkaufen kann. Seit wenigen Jahren ist der G500 auch in den Vereinigten Staaten offiziell über Mercedes-Benz erhältlich - auch dort ist man angetan. Man darf vermuten, dass Herrn Dr. Zetsches Entscheidung, den G bis mindestens 2008 weiterzubauen, nicht von ungefähr kommt - er könnte aufgrund seiner Entwicklungsreife zur unscheinbaren und kleinen aber feinen Cashcow für Mercedes-Benz geworden sein.

Der G der Baureihe 463 (ziviler Markt) wurde und wird angeboten insbesondere in den Varianten Station lang (mit hinteren Fenstern, 5-Türer), Station kurz (mit hinteren Fenstern, 3-Türer), sowie als Cabriolet (immer 3-Türer, wenn man von einem langen Baur-Umbau absieht). Nicht alle Aufbauten waren und sind mit allen Motorisierungen erhältlich. Z.B. gab es das auf 500 Stück limitierte Sondermodell 500 GE (erstmals ein V8 offiziell im G!) nur lang, und den G 270 CDI nicht als Cabrio, den G 55 nur lang. Die Kastenwagen gab es nicht für die Baureihe 463. Das Highlight der Evolution stellt sicherlich der zum 25-jährigen Jubiläum 2004 vorgestellte G 55 AMG Kompressor mit 476 (seit Mitte 2006: 500 PS) dar. Die Modellpflege 2007 umfasst als wichtigste Komponenten Xenon-Licht sowie den neuen 3,0l-CDI im G 320 CDI, der die nicht EUR4-tauglichen G 270 CDI und G 400 CDI ablöst. Im Programm sind seit Modelljahr 2007 also noch: G 320 CDI, G 500 sowie G 55K AMG, wobei der G 320 CDI ab Modellpflege 2009/2010 zum G 350 CDI umbenannt wurde, und als Sondermodell "Edition 30" wieder ein 461er für jedermann kurzfristig bestellbar war.

Dass Ausnahmen die Regel bestätigen, zeigt sich immer dann, wenn wieder einmal wilde Kombinationen auftauchen, die es eigentlich gar nicht geben "darf". Man findet in den Weiten des Internets, diversen Automobilbörsen und insbesondere bei Organisationen wie Polizei, Grenzschutz oder dem Militär immer wieder Variationen, die alles noch spannender machen. Hierzu zähle ich auch die vielen gepanzerten Varianten, auf die ich hier etwas näher eingehe.

Zu den empfehlenswerten (gebrauchten) Modellen gehören an sich so ziemlich alle G, deshalb auch der für Interessenten meist schockierend hohe Einstandspreis für einen gebrauchten, schonen die Jahre gekommenen G mit vielen tausend km. Für unter EUR 10.000.- gibt es in aller Regel nicht wirklich brauchbare Fahrzeuge, es sei denn, man kann selbst Hand anlegen, und rechnet seine investierte Zeit nicht.

Beim G 350 TD gibt es bekannte thermische Probleme, welche aber bei vielen Fahrzeugen im Rahmen von Nachbesserungsmassnahmen behoben sein dürften. Dies jedoch sollte vor dem Kauf auf jeden Fall überprüft werden! Der G 400 CDI hat keinen besonders guten Ruf aufgrund seiner auffällig vielen Probleme im Bereich der CAN-Vernetzung. (M)eine Story hier. Von chipgetunten Fahrzeuge würde ich empfehlen, die Finger zu lassen, da in aller Regel die original verbauten Getriebe auf das Drehmoment ausgelegt sind, welches der Motor ohne Chiptuning auf das Getriebe bringt. Deshalb Finger weg! Die Benziner sind durchweg empfehlenswert, robust und wenig reparaturanfällig.

Bei allen Anschaffungen ist darauf zu achten, in welcher Schadstoff-Norm das jeweilige Fahrzeug eingruppiert ist, bzw. welche Schadstoff-Gruppe mit geringem Aufwand (Kat-Nachrüstung) erreichbar ist. Sonst geht der Spaß schnell ins Geld, denn die alte "Kombi-Zulassung" (Gewichts-Besteuerung) gibt es seit 1.5.2005 nicht mehr, und ein Umbau auf LKW (Verblechen der hinteren Seitenscheiben, dauerhafter Ausbau der hinteren Sitze, etc.) oder ein Umbau auf ein Wohnmobil ist nicht jedermanns Sache.

Informationen und Bilder zur G-Modellpflege 2006/2007 gibt es HIER.
Informationen und Bilder zur G-Modellpflege 2008/2009 gibt es HIER.
Informationen und Bilder zur G-Modellpflege 2009/2010 gibt es HIER.
Informationen und Bilder zur G-Modellpflege 2010/2011 gibt es HIER.